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Bodenwerder.    Samstag morgen noch Schneeregen und nicht wenige der Standbetreiber auf dem Fischmarkt haben ihre Wollhandschuhe angezogen. Aber ab Mittag lugte dann vorsichtig die Sonne hinter den Wolken hervor. Und die brachte mit Plus acht Grad ein bereits annehmbares  Fischmarktwetter, waren sich die Marktbeschicker mit Rückblick auf die letzten Tage einig. Die Besucher sahen dies scheinbar genauso, denn sie strömten zumindest am Sonntag in Massen an die Weserpromenade, um nicht nur die ersten richtigen Sonnenstrahlen zu genießen, sondern auch, um die eine oder andere volle Tüte mit Käse, Wurst, Schokolade oder Pflanzen mit nach Hause zu nehmen. Für den Organisator von „Fischmarkt on Tour“, Alex Kopke hätte es allerdings noch ein paar Grad wärmer sein können. Allerding ist das Flair an der Weserpromenade für den Magdeburger einmalig und wiegt für ihn die noch kühlen Temperaturen wieder auf.

 

Fischmarkt NachberichtSeine Wurst verkauft Wurst-Jan gleich tütenweise und schmeisst auch gern mal einige Würste in die wartende Menschentraube vor seinem LKW. Das geht natürlich nicht ohne Schreien ab. Und da bekommen seine Nachbarn Käse-Mika und Keks-Ronny schon einmal einen Spruch unterhalb der Gürtellinie ab. Natürlich muss er auch deren Antwort abkönnen, die in ähnlicher Art und Weise antworten. Die Zuschauer jedenfalls werden hauptsächlich auch wegen dieser Verbalattacken an die Stände der Marktschreier gelockt. Ruhiger geht es dagegen bei Andrea Seifert aus Meißen zu, die Hände und Unterschriften einscannt und dann zu deuten versucht oder beim Ponyreiten für Kinder.

Seefisch aus Warnemünde bietet Joachim Richter an, der zwar erst zum zweiten Mal auf dem Bodenwerderaner Fischmarkt mit seinem Verkaufswagen steht, aber als einziger dieses Jahr frische Aale direkt am Stand im Rauch hängen hat.

Alternativ gibt es Schinken vom Buchenholzgrill. Geliefert vom selbsternannten „Schinkenkönig aus Deutschland“. Bei 270-280 Grad geht erst richtig die Kruste auf, sagt Thorsten Schmidt, einer der zwei Köche, die dieses kullinarische Mahl bereits seit über 15 Jahren anbieten.

Wer nicht nur sehen will, wie verbrannte Kondensmilch sich aus einer Pfanne ohne Schwierigkeiten wieder entfernen lässt, sondern auch etwas „richtiges in die Pfanne hauen will“, ist bei Pfannen-Udo genau an der richtigen Stelle. „Die Männer kaufen meine Profi-Guss-Pfannen und den Frauen zeigte ich auch gleich, wie sie diese dann sauber bekommen können“, sagt er und freut sich, dass Felix Rüdrich gleich kostenlose Werbung für ihn macht. „Die brauche ich hauptsächlich für Eierbraten“, erklärt der Gastronom aus Coppenbrügge.

Für irisches Flair sorgte der aus Mittelirland stammende Musikkünstler John Barden, der zwar in München wohnt, aber seine durch seinen Slang bedingte Herkunft  immer noch nicht verheimlichen will und kann. Seine Lieder, die von der Ehe, der Geschichte und vom Saufen erzählen sind die richtige Abwechslung für Fischmarktbesucher, die am Rande des Trubels ein gepflegtes Guinness trinken wollen.

Während die „Kräuterbeckerey“ aus Berlin aus dem Holzofen und mit Rezepten aus dem 14.Jahrhundert gebackenes Kräuterbrot verkaufte, boten rund um das eintrittsfreie Werfthof-Museum (ein Muss für Eltern mit Kindern) heimische Geschäftsleute ihre Waren an. So hatte der heimische Weinbergsbäcker Rainer Mattukat nicht nur Holzofenbrot, sondern auch Kaffee und Kuchen im Angebot und bereits nach wenigen Stunden ausverkauft. Wer es mystisch mochte, konnte einen aphrodisierenden Zaubertrank oder eins von „Anitas“ Schmalzbroten probieren.

Bodenwerders Innenstadt bot sich am ersten verkaufsoffenen Sonntag diesen Jahres unter anderem mit vollbesetzten Eiskaffees dar. „Einer der umatzstärksten Tage im Jahr“, freute sich der Pressesprecher der Werbegemeinschaft, Dietmar Heiduck.

Und dann war da noch Tanja Leske. Sie hatte schnell noch Blumen von Blumen-Rainer gekauft und bis zur Weserbrücke geschleppt. Von hier aus musste sich die Bad Pyrmonterin dann allerdings abholen lassen…